Glossar zu Begriffen der Gleichstellungsarbeit

Doing Gender

Gender - das soziale und kulturelle Geschlecht - ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Geschlechtsrollenverhalten wird von klein auf gelernt und durch die Rollenerwartungen des Umfelds bestärkt. Das Denken in zwei Geschlechtern hat in jedem Menschen Vorstellungen und Erwartungen zur Folge, wie das eigene oder das andere Geschlecht zu sein oder sich zu verhalten hat. Diese Vorstellungen sind ein gestaltendes und prägendes Element in der Interaktion und Kommunikation. "Geschlechtsneutrales" Verhalten gibt es nicht. So wird Gender als soziale Konstruktion im Alltag ständig hergestellt. Dieser Prozess wird auch als 'Doing Gender' bezeichnet.

Quelle: www.genderundschule.de
Doppelstrategie

Gleichstellungsförderung wählt zumeist einen dualen Ansatz - eine Doppelstrategie. Einerseits werden Frauen oder Männer spezifisch gefördert, andererseits wird durch Gender Mainstreaming ein integrierender Ansatz in allen Planungs- und Umsetzungsschritten von Maßnahmen und Projekten verfolgt.

Spezifische Maßnahmen richten sich aufgrund der diskriminierenden Strukturen auf dem Arbeitsmarkt, in Beschäftigung und Berufsbildung in der Regel an Frauen. Es können jedoch auch gezielt Maßnahmen für Männer erfolgen (z.B. Stärkung von Männern in ihrer Väterrolle), wenn sie im Sinne der Gleichstellung wirken. Gender Mainstreaming bedeutet zudem auch zu berücksichtigen, dass spezifisch auf Frauen ausgerichtete Maßnahmen nicht per se gleichstellungsfördernd sind – auch Maßnahmen der Frauenförderung sollten hinsichtlich ihres jeweiligen Beitrags zu den definierten Gleichstellungszielen überprüft werden.

Quelle: Agentur für Gleichstellung
Europäischer Sozialfonds (ESF)

Der ESF ist Teil der Strukturfonds der Europäischen Union. Mittel aus diesem Fonds dienen dazu, den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt in Europa zu stärken. Beipielsweise werden damit Maßnahmen unterstützt, um Arbeitslosigkeit zu verhindern, den Zugang zur Beschäftigung und die Beteiligung am Erwerbsleben zu verbessern, Qualifikationen und Fähigkeiten der Menschen zu fördern und Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt zu bekämpfen.

Gender-Analyse

Eine Maßnahme zielt auf die Lösung einer konkreten Problemlage ab. Eine Gender-Analyse zeigt auf, wie Frauen und Männer jeweils von diesem Problem betroffen sind. Sie macht weiterhin deutlich, inwiefern die Bedürfnisse und Teilhabechancen der Geschlechter berücksichtigt werden und inwieweit Frauen und/oder Männer von der Maßnahme profitieren. Weitere Informationen finden Sie in diesem Dokument.

Gender Budgeting

Gender Budgeting ist eine Teilstrategie des Gender Mainstreaming und verfolgt das Ziel eines geschlechtergerechten Haushalts. Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass die bisher vorherrschende Haushaltspolitik ungerechte Verteilungseffekte hat und gesellschaftliche Unterschiede teilweise noch verstärkt – anstatt im Sinne des staatlichen Gleichstellungsauftrages zu wirken.

Ein Ausdruck des ungleichen Geschlechterverhältnisses ist auch die unterschiedliche Verteilung öffentlicher Mittel auf Frauen und Männer in ihrer jeweiligen Unterschiedlichkeit. Die Analyse und Umverteilung öffentlicher Haushalte aus einer Geschlechterperspektive bedeutet daher nicht, ein separates Frauenbudget zu schaffen, sondern aus einer Perspektive, die das Geschlechterverhältnis zugrunde legt, auf mehr Gerechtigkeit hinzuwirken. Voraussetzung sind dabei stets aussagekräftige Daten über Geschlechterverhältnisse.

Bei Gender Budgeting wird beispielsweise gefragt:

Der Maßstab für einen geschlechtergerechten Haushalt liegt nicht im Haushalt selbst, sondern bedarf jeweils einer Bestimmung der politischen Zielsetzung und der Einbindung in ein geschlechterpolitisches Gesamtkonzept. Dabei ergänzen sich Gender Budgeting und Gender Mainstreaming mit spezifischen Maßnahmen. Eine Einbeziehung von BürgerInnen und ExpertInnen sichert die nötige Transparenz des Umsetzungsprozesses.

Quelle: Initiative für eine geschlechtergerechte Haushaltsführung in Berlin: Was ist Gender Budgeting?
Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist eine Strategie, die auf die Gleichstellung von Frauen und Männern zielt. Mit ihr wird die Gleichstellungsperspektive durchgehend in alle Politikfelder und Handlungsbereiche integriert, um diese langfristig gleichstellungsorientiert zu transformieren.

Der englische Begriff „Gender“ kann mit „soziale Geschlechterverhältnisse“ übersetzt werden. Gender präzisiert somit den deutschen Begriff „Geschlecht“, da es hierbei um das sozial hergestellte Geschlecht (wie Geschlechterstereotype, Normen und Geschlechterrollen) geht und nicht um biologische Unterschiede zwischen Menschen. Gender ist immer verbunden mit weiteren sozialen Kategorisierungen wie Alter, Migrationshintergrund oder Behinderung – denn Frauen und Männer sind keine jeweils einheitliche soziale Gruppe. Gender wirkt als Struktur auf dem Arbeitsmarkt, was z. B. in der beruflichen Segregation (so genannte „Frauen- und Männerberufe“) sichtbar wird. Somit geht es mit dem Begriff Gender immer auch um gesellschaftliche Positionen und Chancen von Frauen und Männern in ihrer Vielfalt (z. B. Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten, Gestaltung von Arbeitszeiten etc.)

Gender Mainstreaming bedeutet, das Ziel der Gleichstellung in allen Handlungsfeldern und bei allen Planungs-, Entscheidungs- und Umsetzungsschritten („Mainstreaming“) zu berücksichtigen. Gender Mainstreaming fragt dabei nach den gesellschaftlichen Ursachen von Unterschieden und Unterscheidungen. Mit dieser Strategie sollen geschlechtsbezogene Rollenzuschreibungen überwunden, Benachteiligungen verhindert und Gleichstellung gefördert werden. Damit kann sichergestellt werden, dass die geplanten Vorhaben nicht die bestehenden Ungleichheiten fortschreiben, sondern die Gleichstellung von Frauen und Männern in ihrer Vielfalt fördern.

Der Begriff „Mainstreaming“ unterstreicht, dass die Aufgabe der Gleichstellungsförderung in alle Strukturen und Abläufe zu integrieren ist, was bezogen auf den ESF bedeutet:

Quelle: Agentur für Gleichstellung im ESF
Gender Qualifizierung

Eine Gender-Qualifizierung ist ein Weiterbildungsangebot zur Vermittlung von Gender-Kompetenz. Sie sensibilisiert durch kritische Reflektion für Geschlechterunterschiede und -stereotypen in der Gesellschaft und ihre Folgen im Arbeits- und Alltagsleben. Durch den Erwerb von relevantem Sachwissen und die Identifikation der eigenen Handlungsoptionen werden die Teilnehmenden einer solchen Weiterbildung befähigt, gendersensibel in ihrem Arbeitsfeld zu handeln. Weitere Informationen bietet Ihnen dieses Dokument.

Gleichstellung von Frauen und Männern

Gleichstellung bedeutet, dass Frauen und Männer dieselben Rechte, Pflichten und Chancen in allen wesentlichen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens haben.

Das heißt: Gleichstellung ist immer Gleichstellung von Frauen und Männern, für Frauen und Männer und mit Frauen und Männern.

Gleichstellung hat eine quantitative und eine qualitative Seite: Die quantitative Seite beinhaltet die gleiche Verteilung von Frauen und Männern in allen Bereichen der Gesellschaft sowie die gleiche Teilhabe an den vorhandenen Ressourcen und an der politischen und ökonomischen Macht.

Die qualitative Seite bedeutet, dass die Kompetenz, die Kenntnisse, Erfahrungen und Wertvorstellungen beider Geschlechter berücksichtigt werden. Frauen und Männer können die gesellschaftliche Entwicklung bereichern und beeinflussen.

Erst dadurch wird eine allseitige gesellschaftliche Entwicklung möglich, kann Demokratie voll verwirklicht werden. Gleichstellung ist also nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit und der Entwicklung des Einzelnen/ der Einzelnen, sondern auch von gesellschaftlicher Entwicklung, Fortschritt und Demokratie.

Quelle: Prof. Brigitte Stepanek; Dr. Petra Krull: Gleichstellung und Gender Mainstreaming. Ein Handbuch. 3. Aufl., Rostock, 2002
Segregation am Arbeitsmarkt

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt läßt sich eine horizontale und eine vertikale Segregation des  beobachten.

Bei horizontaler Segregation betrachtet man die Verteilung von Frauen und Männern in unterschiedlichen Branchen und Berufen auf dem Arbeitsmarkt. Häufig werden in männerdominierten Branchen höhere Löhne gezahlt. Dies hat unter anderem mit der Arbeitsbewertung zu tun, damit, dass Männer häufiger gewerkschaftlich organisiert sind oder Berufe bzw. Studienfächer wählen, die später zu einer besseren Bezahlung führen.

Bei vertikaler Segregation geht es darum, dass Männer und Frauen sich nach wie vor auf verschiedenen Stufen in der Betriebshierarchie wiederfinden, auch in Branchen mit einem ausgewogenen Anteil von Frauen und Männern. Frauen werden seltener in Spitzenpositionen befördert („gläserne Decke“) und stellen den überwiegenden Anteil im Niedriglohnbereich. Deutschland hat in der Europäischen Union zudem den geringsten Anteil von Müttern in Führungspositionen.

Auffällig ist, dass es in Branchen mit einem besonders hohen Frauenanteil häufig überproportional wenige Frauen in Führungspositionen gibt: So arbeiten beispielsweise im Bereich Erziehung und Unterricht 69 Prozent Frauen (Zahlen von 2010). Der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen in diesem Bereich beträgt aber nur 49 Prozent. Zugleich ist die Lohnlücke bei Führungspositionen in „Frauenberufen“ am größten: Sie beträgt nach Berechnungen des DIW Berlin mehr als 37 Prozent.

Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes