Digitalisierung

Der Prozess der Digitalisierung geht mit einer Umstrukturierung der Arbeitswelt einher. Wer diesen Prozess durch die „Gleichstellungsbrille“ betrachtet, findet facettenreiche Handlungsfelder in Wirtschaft und Gesellschaft. Hier zwei Beispiele:

Veränderung von Berufsbildern

Berufliche Tätigkeiten, bei denen Menschen bislang unersetzbar waren, können zunehmend von Computern und computergesteuerten Maschinen erledigt werden. Viele Berufsbilder ändern sich stark, da automatisierbare Tätigkeiten von mobilen, kollaborativen Robotern oder Computeralgorithmen erledigt werden können.  Dieses im fachlichen Diskurs so genannte Substituierbarkeitspotential gibt an, in welchem Ausmaß Berufe gegenwärtig potenziell durch den Einsatz von Computern oder computergesteuerten Maschinen ersetzbar sind. Forscher:innen zufolge liegt der Anteil der Arbeitsplätze mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit unter Beachtung der verschiedenen tatsächlichen Tätigkeiten in Deutschland bei etwa 12 %. Die Treiber der Digitalisierung, also die Informatik- und andere IKT-Berufe, aber auch klassische Ingenieursberufe sind nach wie vor sehr männerdominiert, der Frauenanteil beläuft sich bisher auf nur 16 Prozent.

Warum Gleichstellung relevant ist

Einerseits betrifft die Änderung der Berufsbilder derzeit vor allem männerdominierte Berufe. Die Substituierbarkeitspotentiale sind in den Fertigungsberufen und fertigungstechnischen Berufen am höchsten und in den oft frauendominierten sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen am niedrigsten. Andererseits ist es wichtig Mädchen und Frauen für digitalisierungsrelevante Fächer und Studienrichtungen zu begeistern. Frauen müssen im gleichen Maße an Digitalisierungsprozessen beteiligt sein, sonst besteht die Gefahr, dass sich eine gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Benachteiligung in der digitalen Welt fortschreibt. Stichworte hierzu z.B. sind der Gender Pay Gap, und der Gender Data Gap. Es wird damit deutlich, wie wichtig es ist, eine gleichstellungsorientierte Schulbildung und Berufsorientierung (inkl. Beratung und Aufklärung über das zukünftige Substituierungspotential von Berufen) zu forcieren.

Arbeitsorganisation – Mobiles Arbeiten

Aus der Gleichstellungsperspektive können nicht nur geschlechtsbezogene digitale Daten geschlechtsbedingte Nachteile bringen, sondern auch der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen. Ob Digitalisierungsprozesse geschlechtergerecht gestaltet sind oder nicht, ob der Zugang zu und die Nutzung von digitalen Prozessen geschlechtsneutral gestaltet sind oder nicht, entscheidet zukünftig auch darüber, ob für Frauen gleiche Möglichkeiten für den beruflichen Aufstieg bestehen und ob Sie diese nutzen können, oder nicht. Das schließt z.B. auch das mobile Arbeiten ein. Entsprechende Möglichkeiten müssen allen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht in gleichem Maße zur Verfügung stehen und die gleichberechtigte Mitbestimmung bei An-/Beschaffung von digitalen Arbeitsmitteln muss gewährleistet sein.
Frauendominierte Branchen wie Handel, Gesundheitsbereich und Dienstleistungsbranche, in M-V die größten Wirtschaftszweige, müssen bei der Gestaltung des digitalen Wandels ebenso gefördert werden, wie zum Beispiel Unternehmen im produzierenden Gewerbe. Der bislang stark auf Industrie 4.0 und den Produktionssektor fokussierte Digitalisierungsdiskurs birgt die Gefahr, dass wirtschafts- und beschäftigungspolitische Strategien einseitig auf männerdominierte Bereiche ausgerichtet werden.

Chancen sehen

Potenziale für eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben durch die Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung, liegen insbesondere in folgenden Bereichen:

Das LZGV wird den Themenkomplex Digitalisierung als einen wichtigen Aspekt bei partnerschaftlichen Aufteilungsprozessen von Erwerbs- und Sorgearbeit berücksichtigen. Digitalisierung und das damit verbundene Potenzial, die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben zu verbessern, werden, z.B. im Kontext von Unternehmenskultur, Arbeitszeitorganisation und Bewerbendenansprache, durch Vorträge, Workshops und andere Formate an Multiplikator:innen transportiert.

BMFSFJ (2021): Dritter Gleichstellungsbericht der Bundesregierung „Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten“


Digitalisierung als Querschnittsziel

Im Themenschwerpunkt Gleichstellung von Frauen und Männern im ESF spielt Digitalisierung ebenfalls eine Rolle, da verschiedene Konzepte und Förderinstrumente des Landes in diesem Bereich ausgestaltet wurden und werden. Das LZGV ist bestrebt, auch an dieser Stelle seine Fachexpertise zur Gleichstellung einzubringen, um eine gendersensible Ausgestaltung der entsprechenden Instrumente zu unterstützen.