Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben – Was heißt das für uns?

Die Vielfalt der vorherrschenden Lebens- und Arbeitsmodelle wird mit der Bezeichnung „Beruf und Familie“ nicht ausreichend abgebildet. In Bezug auf die Vereinbarkeit verwendet das Landeszentrum daher das Begriffspaar „Erwerbs- und Privatleben“. Damit knüpfen wir bewusst an jene Diskussions- und Denkprozesse an, die bereits Mitte der 2000er Jahre maßgeblich durch das „Fachgremium für Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt“ sowie das „Kompetenzzentrum Vereinbarkeit Leben in MV“ angestoßen wurden und seither von verschiedenen Akteuren in Mecklenburg-Vorpommern, wie zum Beispiel dem Landesfrauenrat M-V, fortgeführt werden. „Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben“ verstehen wir als einen breiten Ansatz, um das heutige Zusammenleben und -arbeiten von Menschen angemessen zu beschreiben.


Erwerbsleben – statt „nur“ Beruf

Berufstätigkeit hat sich in vielen Bereichen gewandelt, weg von schwerer körperlicher Arbeit, hin zu stärker intellektuellen und psychischen Anforderungen. Im Berufsleben wird von immer mehr Arbeitnehmenden ein hoher Grad an Flexibilität und die Bereitschaft zur Weiterqualifizierung erwartet. Arbeiten in Teilzeit oder in mehreren Tätigkeitsfeldern und Beschäftigungsverhältnissen ist immer häufiger die Realität. Deshalb kann der Begriff „Beruf“ nur einen Teilaspekt abbilden, „Erwerbsleben“ hingegen schließt alle Formen der Arbeit, ganz gleich, ob abhängig beschäftigt oder selbstständig, ein.

Privatleben – statt „nur“ Familie

Ein Vereinbarkeitsbegriff, in dessen Mittelpunkt Beruf und Familie stehen, ist sehr eingeschränkt. Der Wandel familiärer Lebensformen, die Auflösung eines tradierten Rollenverständnisses sowie die Anerkennung sozialer Aufgaben führen mehr und mehr dazu, dass familiäre Aufgaben durch Frauen und Männer in gleichem Maße wahrgenommen werden. Vereinbarkeit ist also auch ein Thema für Männer, insbesondere in ihrer Rolle als Väter.

Der erweiterte Fokus beim Blick auf Vereinbarkeit schließt gleichzeitig mehr ein als Aufgaben in und um die traditionelle Kernfamilie, bestehend aus Mutter, Vater und (Klein)Kind: Privatleben umfasst die zu pflegenden Angehörigen, Patchworkfamilien, Freundschaften, Lebensgemeinschaften ohne Kinder genauso wie aktive Großeltern, bürgerschaftliches Engagement, Freizeitbeschäftigung, Erholung und andere Aktivitäten außerhalb der Arbeit.

Vor diesem Hintergrund ist eine gelingende Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben ein wichtiger Aspekt für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Nur mit vereinbarkeitsorientierten Strukturen und Lösungen die unabhängig von Geschlecht und damit verbundenen Rollenzuschreibungen zur Verfügung stehen, können Menschen ihren privaten Interessen und Verpflichtungen nachgehen und gleichzeitig die beruflich an sie gestellten Anforderungen erfüllen.